Gefüllte Blüten

Gefüllte Blüten: Schön, aber nutzlos für Insekten

Gefüllte Blüten sind in vielen Gärten und Parks beliebt, doch ihre Züchtung hat oft unbeabsichtigte Folgen für die Insektenwelt. Während ungefüllte Blüten Pollen und Nektar für Bestäuber zugänglich machen, fehlt dies bei gefüllten Blüten häufig oder ist nur schwer erreichbar. Dieser Artikel beleuchtet die ökologischen Auswirkungen gefüllter Blüten auf Wildbienen und andere Bestäuber, erklärt die Unterschiede zu ungefüllten Blüten und zeigt Alternativen auf, die sowohl ästhetisch ansprechend als auch ökologisch wertvoll sind.

Zuchtrosen haben gefüllte Blüten
Auch die beliebte Zuchtrose hat gefüllte Blüten. Ohne erreichbare Staubblätter ist sie für Bestäuber wertlos.

Was sind gefüllte Blüten?

Was klingt wie ein exotisches Gericht in einem Vier-Sterne-Restaurant ist das Ergebnis spezieller Züchtungen von Blütenpflanzen und oft in Vorgärten und Parks zu finden. Ziel dieser Züchtungen ist es die Staubblätter, also das Pollen erzeugende Organ von männlichen oder zwittrigen Blüten, in zusätzliche Blütenblätter umzuwandeln, damit die Blüten besonders groß und prachtvoll aussehen. Leider macht diese genetische Mutation diese Blühpflanzen für Bestäuber wie Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge absolut wertlos.

Warum sind gefüllte Blüten für Bestäuber ungeeignet?

In einer Studie von Corbet et al. (2001) wurden gefüllte und einfache Blüten von der gleichen Pflanzenart verglichen. Die normalen (oder auch einfachen bzw. ungefüllten) Blüten wurden signifikant häufiger von Bestäubern besucht und hatten eine höhere Fruchtansatzrate. Woran liegt das?

  1. Kein oder wenig Pollen: Da die Staubblätter fehlen oder reduziert sind, bieten diese Blüten kaum oder keinen Pollen als Nahrung.
  2. Kein oder schwer erreichbarer Nektar: In vielen gefüllten Blüten sind die Nektarien verdeckt oder verschwunden.
  3. Erschwerter Zugang: Die dichten Blütenblätter verhindern, dass Bestäuber ins Innere der Blüte gelangen. Besonders Hummeln haben Schwierigkeiten mit stark gefüllten Blüten, da diese oft zu tief oder zu komplex sind, um effizient nach Nektar zu suchen.

Und nicht nur das: Viele Bestäuber orientieren sich nach optischen Reizen. Gefüllte Blüten locken sie an, ohne eine wirkliche Belohnung zu bieten. Die Bestäuber verlieren dadurch Energie und Zeit, was ihre Bestäubungsleistung für andere Pflanzen in der Umgebung senkt.

Wie erkennt man diese Blüten?

Wenn man den Eindruck hat, es befindet sich eine „Blüte in der Blüte“ liegt man meistens richtig. Im Englischen heißen diese Zuchtpflanzen daher auch „Double Flower“ oder „Double-flowered“. Beim Kauf verrät ein Blick auf das Etikett mehr: Dort wird der Name der Pflanze meistens als „Gefüllt“, „Double“ oder „Duo“ bezeichnet. Oft ist auch der Begriff „Gefüllte Mischung“ auf den Verpackungen zu finden. Leider enthält der der lateinische Artname nur selten den eindeutigen Zusatz fl. pl. (lat. flore pleno, „mit voller Blüte“).

Die bekannteste und vermutlich älteste Blütenpflanze mit gefüllten Blüten ist die übrigens die Zuchtrose. Andere Beispiele für Pflanzen mit gefüllten Blüten sind z.B.:

  • Gefüllte Sonnenblumen
  • Gefüllte Dahlien
  • Gefüllte Chrysanthemen
  • Gefüllte Petunien
  • Gefüllte Pfingstrosen

Alternative: Insektenfreundliche, ungefüllte Blüten

Aber keine Angst, es müssen jetzt nicht alle liebgewonnen Zuchtrosen aus den Gärten verschwinden. Wichtig ist, dass in unmittelbarer Nähe auch einige heimische Pflanzen mit gefüllten Blüten kultiviert werden, um den Bestäubern genug Nahrung zu bieten. Bei Wildbienen sind z.B. folgende Blühpflanzenarten besonders beliebt:

  • Wilde Möhre (Daucus carota )
  • Wildrosen (z. B. Rosa canina)
  • Kornblume (Centaurea cyanus)
  • Echte Malve (Malva sylvestris)
  • Ringelblume (Calendula officinalis)
  • Lavendel (Lavandula angustifolia)
  • Echte Betonie (Betonica officinalis)
  • Glockenblumen (z.B. Campanula patula, Campanula rapunculoides, Campanula persicifolia)
  • Klatschmohn (Papaver rhoeas)
  • Klee (z.B. Trifolium pratense, Trifolium repens)
  • Wollziest (Stachys byzantina)
  • Gemeine Schafgarbe (weiß!) (Achillea millefolium)
  • Gewöhnliche Skabiose (Scabiosa columbaria)
  • Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare)

Und es existieren natürlich noch viele viele mehr!

Hier findet man tolle Infos zu Pflanzen mit denen man Wildbienen fördern kann:

Broschüre: „Gefährdete Wildbienen – Nisthilfen bauen und Lebensräume schaffen“ des BUND

Broschüre: „Naturnützliche Wildsträucher“ des NABU

WILDBIENEN & Co. in Oldenburger Gärten“ der Unteren Naturschutzbehörde Stadt Oldenburg

„Heimische Blütenpflanzen für unsere Wildbienen“ eine Empfehlung von Oliver Kwetschlich und des BUND Bremen

Fazit

Gefüllte Blüten sehen zwar spektakulär aus, doch sie tragen wenig zur Förderung der Biodiversität bei. Wer Insekten unterstützen möchte, sollte auf ungefüllte Blüten zurückgreifen. So wird der Garten nicht nur schön, sondern auch ein Paradies für Bestäuber.


Quellen:

Buchmann, S. L., & Nabhan, G. P. (1996) The forgotten pollinators. Island Press.

Corbet, S. A., et al. (2001) Native or Exotic? Double or Single? Evaluating Plants for Pollinator-friendly Gardens. Annals of Botany, 87(2), 219-232. https://doi.org/10.1006/anbo.2000.1322

Palmersheim, M. C., et al. (2022) If You Grow It, They Will Come: Ornamental Plants Impact the Abundance and Diversity of Pollinators and Other Flower-Visiting Insects in Gardens. Horticulturae8(11), 1068. https://doi.org/10.3390/horticulturae8111068

Posted by Juliane Schäffer in Biodiversität, Praxis, Wildbienen, 0 comments